Geschichtlicher Überblick

Schlierbacher Geschichte in Kurzform

Die Spuren der ersten menschlichen Besiedlung auf Schlierbacher Markung führen bis in den Zeitraum von 800 bis 450 v. Chr. zurück. 16 aufgefundene Hügelgräber im "Bergwald" lassen den Schluß zu, dass es sich dabei um Menschen aus der Hallstattzeit handelt. Den Kelten folgten etwa um Christi Geburt die Römer, die wiederum im 3. Jahrhundert von den Alemannen verdrängt wurden. Diese gelangten seit dem 8. Jahrhundert unter fränkische Herrschaft. In der jüngeren Ausbauzeit des 9. bis 12. Jahrhundert entstanden, gehörte der Ort im 13. Jahrhundert den Herzögen von Teck.

Die erste urkundliche Nennung fällt in dieses Jahrhundert: 1275 wird Schlierbach im liber decimationis, einem Steuerverzeichnis, genannt. Teckische Ministerialen übertragen nach dem Niedergang der Teckherzöge umfangreichen Besitz dem Kirchheimer Dominikanerinnenkloster. Mit dem Erwerb der Herrschaft Teck durch Graf Ulrich im Jahre 1381 wurde Schlierbach württembergisch. 1439 übernahm das Haus Württemberg noch örtlichen Besitz von den Herren von Zillenhart. 1485 kam Schlierbach vom Amt Kirchheim zum Amt Göppingen und ist seit 1938 Bestandteil des Landkreises Göppingen.

Im Schmalkaldischen Krieg (1546/47) erlitt der Ort Plünderungen durch die Truppen Kaisers Karl V.; eine noch schlimmere Katastrophe folgte im Dreißigjährigen Krieg (1618-48), den nur 18 Einwohner überlebten. Mit den Napoleonischen Kriegen zu Beginn des 19. Jhdts. endete die Zeit der Einquartierungen und Plünderungen.

Das älteste Bauwerk ist die das Ortsbild dominierende evangelische Georgskirche, die von 1495 bis 1501 erbaut wurde. Die im spätgotischen Stil errichtete Kirche besticht durch ihren imposanten Turm und das kunsthistorisch interessante Kirchenschiff. Die erste Schulstelle datiert ins Jahr 1551. Wie in anderen Orten auch, ist mit der Durchsetzung der Schulpflicht erst mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges zu rechnen.

Trotz großer Auswanderungsverluste seit 1816/17 entwickelte sich Schlierbach zu einem der bevölkerungsreichsten Orte im Oberamt Göppingen mit 1838 Einwohnern im Jahr 1842. Die landwirtschaftlich dominierte Gemeinde hielt drei Märkte im Frühjahr und Herbst ab. Begünstigt durch den Flachsanbau fanden auch rund 60 Weber bis zur Frühindustrialisierung Arbeit und Brot. 1876 etablierte sich mit der Strumpfwarenfabrik Auwärter erstmals im Ort ein größerer Betrieb, der zahlreiche Arbeitsplätze schuf.

Wirtschaftlich bedingte Abwanderungen hatten bis 1906 ein Absinken der Bevölkerungszahl auf 1303 zur Folge. An dieser Einwohnerzahl änderte sich auch in der Folgezeit wenig. 1939 lebten in Schlierbach 1289 Menschen; erst der Zuzug der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen ließ 1950 den Einwohnerstand auf 1633 steigen.

kieser

Eine im Würrtembergischen Forstlagerbuch vorgefundene Zeichnung von Andreas Kieser aus dem Jahr 1683
gibt ein Gesamtbild von Schlierbach in seiner damaligen Größe.

Im Ersten Weltkrieg hatte Schlierbach 63 Tote zu beklagen; noch härter wurde die Gemeinde im Zweiten Weltkrieg mit 83 Toten und 42 Vermißten getroffen. Bei Fliegerangriffen sowie beim Einmarsch der Amerikaner am 20. April 1945 wurden 17 Menschen getötet und 15 Gebäude, darunter das Rat- und Schulhaus, zerstört. Die Entwicklung der Gemeinde nach dem 2. Weltkrieg bis zum Jahr 2000 läßt sich am Anstieg der Einwohner und der Arbeitsplätze ablesen. So stieg die Einwohnerzahl im Jahr 2000 auf rund 3900 Einwohner und die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten von wenigen Hundert auf rund 1450 mit noch steigender Tendenz. Die Arbeitsplätze entstanden in neu angesiedelten Handwerksbetrieben, in namhaften Metallbetrieben, vor allem im Maschinenbau und in den letzten Jahren auch im Dienstleistungsbereich.

Bereits 1948 konnte an alter Stelle wieder ein neues Schul- und Rathaus bezogen werden. Der Schwerpunkt in der Nachkriegszeit lag in der Beseitigung der Wohnungsnot. Dadurch fanden in den neuen Baugebieten zahlreiche Vertriebene und Arbeitssuchende des rasch wachsenden Wirtschaftsraums eine neue Heimat. Die Entwicklung von Schlierbach begünstigte die im Jahr 1957 erstellte Umgehungsstraße für die B 297.

Vordringlich war in den Nachkriegsjahren auch der Ausbau der Wasserversorgung und der Aufbau einer umfassenden Abwasserbeseitigung. Bereits 1963 wurde die erste Kläranlage erstellt. Der Einwohnerzuwachs und der technische Fortschritt zwang zur Erneuerung im Jahr 1982; vier neue Regenüberlaufbecken, erstellt in den Jahren 1977 und 1994, tragen inzwischen zum derzeit hohen Klärstandard bei. Bereits 1966 war wegen der beengten Verhältnisse im Schul- und Rathaus ein Neubau in den Dorfwiesen nötig. Ein weiterer Anbau im Jahr 1978 und ein Neubau im Jahr 1991, wegen der wiedergewonnenen Hauptschule, prägen inzwischen das Schulareal an dem im Jahr 1988 geschaffenen Sportgelände Dorfwiesen.

Durch eine private Stiftung der Gebrüder Weiler kann die Gemeinde seit 1885 auf eine Kindergartenbetreuung verweisen. Mit dem Einwohnerzuwachs und einem gestiegenen Betreuungsprofil entstanden für die Kindergärten An- und Neubauten: 1969 in der Max-Eyth-Straße, 1994 in der Hölzerstraße und 1997 in der Kirchstraße.

Umfangreiche Investitionen prägten das kommunale Geschehen Ende der 80iger und Anfang der 90iger Jahre. In diese Zeit fiel die dringend notwendige Friedhofserweiterung und die Ende 1991 vollendete Aussegnungshalle.

Jahr für Jahr hatte Schlierbach darunter zu leiden, dass der gleichnamige Schlierbach über seine Ufer trat. Dank einer ökologisch ausgerichteten Sanierung in den Jahren 1987 bis 1994, fließt er inzwischen gebändigt im erweiterten Bachbett. Drei neue Brücken, mehrere Fußgängerüberwege und eine großzügige Uferbepflanzung setzen jetzt Akzente im Bild des vormals ganz von Landwirtschaft geprägten Ort.

Seit Mitte der 80iger Jahre befindet sich der Ortskern über ein langjähriges Sanierungsprogramm im Umbau. Aus dem bereits erneuerten Umfeld ragt der einstige Farrenstall heraus, der 1990 zum Bürgerhaus mit Restaurant, Vereinsräumen und Seniorentreff geworden ist. Der Saal im alten Heuschober des Gebäudes erfreut sich als Treffpunkt für öffentliche und private Feiern besonderer Beliebtheit. Saniert und umgebaut wurde in mehreren Teilabschnitten das Rathaus, das inzwischen neben öffentlichen Dienstleistungen einen Bürgersaal für öffentliche und private Veranstaltungen bietet.

Der strukturelle Wandel in der Ortsmitte mit ehemals von landwirtschaftlich geprägten Anwesen setzte sich in den letzten Jahren weiter fort. Dies wird durch den Bau zahlreicher Wohnungen und Geschäfte deutlich. 1996 konnten 23 seniorengerechte Wohnungen mit zentraler Anlaufstelle für den Krankenpflegeverein an ältere Mitbürger übergeben werden und der Bau des Rathausplatzes mit Tiefgarage 1999 schuf nach der zunehmenden Verdichtung wieder mehr Freifläche.

Als weitere große Investitionen der letzten Jahre sollen an dieser Stelle der Neubau des Feuerwehrmagazines im Gewerbegebiet (Einweihung 2003) und der Bau der dreiteilbaren "Sporthalle Bergreute" (Einweihung 2004) genannt werden. Im Jahr 2011 wurde mit dem Bau eines Kinder- und Bildungshauses begonnen, das im Sommer 2012 eingeweiht werden soll.