Ebersbacher Straße 1: Mühle

Auch in Schlierbach gab es eine Mühle, die sich am sogenannten Mühlbergle, jetzt Ebersbacher Straße 1, befand. Im Gegensatz zu den in Württemberg üblichen Mühlen, die zum Teil schon Jahrhunderte alt waren und mit Wasserkraft betrieben wurden, handelte es sich hier um eine mit elektrischer Kraft betriebene Mühle. Am 29. Mai 1921 gründeten 10 Schlierbacher Bürger eine landwirtschaftliche Genossenschaft, deren Zwecke die Einrichtung und der Betrieb einer Getreidemühle sowie der gemeinschaftliche Ein- und Verkauf, auch die Lagerung landwirtschaftlicher Erzeugnisse waren. Den Vorstand bildeten der Bauer Jakob Häderle, Schultheiß Karl Lang, der Schlossermeister Christian Kromer, der Schreinermeister und Postagent Karl Heber sowie der Käser August Hagmann. Am 10. Juni 1921 erwarb die Genossenschaft „Getreidemühle Schlierbach“ das landwirtschaftliche Anwesen der sieben Erben von Andreas Weigele, vertreten durch die Rößlewirtin Berta Weigele in der Ebersbacher Straße 1. Die Scheune wurde zu Mühle und Lager ausgebaut. Der Eintrag in das Genossenschaftsregister erfolgte 1923. Die Genossenschaft beschäftigte zwischen 1921 und 1927 den Müller Johannes Hummel (gebürtig aus Hepsisau, vorher wohnhaft in Uhingen) als Betriebsleiter. Allerdings schien das Unternehmen nicht gut zu funktionieren, denn Hummel verzog 1927 nach Linsenhofen und die Generalversammlung beschloss am 19. und 29. Januar 1930 die Auflösung der Genossenschaft. Am 19. April 1930 kaufte der Müller Ernst Schneider das Anwesen und führte den Mühlbetrieb, der 1962 im Zuge des damaligen Mühlensterbens geschlossen wurde. Das Gebäude steht heutzutage noch und wird als Wohnhaus genutzt.

Ebersbacher Straße 1, ehemaliges Mühlgebäude im September 2017. Foto: Paul Schmid