Kirchheimer Straße 1: Gasthaus Stern

Bis zur Ablösung der Zehntlasten 1849 diente die große Scheune als Zehntscheuer und wurde nach dem Verkauf zum einfachen landwirtschaftlichen Gebäude.

Kirchheimer Straße 1, Rückseite mit Ansicht der einstigen Zehntscheuer im Jahr 1959. Foto: Wilhelm Pabst


Der Bauer Wilhelm Fauser baute 1886 sein landwirtschaftliches Anwesen in eine Wirtschaft mit Saal im oberen Geschoss, Stall und Fremdenzimmern um und erhielt die Schankkonzession für Wein, Bier, Most und Branntwein.
Unter dem neuen Besitzer Jakob Deuschle wurde 1896 erstmals der Name „Stern“ erwähnt, die Wirtschaft verfügte jetzt auch über eine Kegelbahn und eine Gartenwirtschaft.
 
Im Zweiten Weltkrieg ruhte der Wirtschaftsbetrieb zwischen 1940 und 1945 mehrmals. Stattdessen dienten die Räume als „Lager“ für die in Schlierbach beschäftigten französischen Zwangsarbeiter. Im Keller wurde ein Luftschutzraum eingerichtet. Die Lagerfunktion setzte sich nach Kriegsende fort, weil hier von 1945 bis 1954 Heimatvertriebene die erste Unterkunft in Schlierbach fanden. Obwohl der Wirtschaftsbetrieb nach 1945 wieder geöffnet war, wurde sonntags der Saal zur katholischen Kirche für die Heimatvertriebenen umfunktioniert. Diese Regelung hatte bis Ende der vierziger Jahre Bestand, danach konnten die Katholiken in der evangelischen Georgskirche Gottesdienst halten. Erst 1967 errichtete die katholische Kirchengemeinde die Heilig-Kreuz-Kirche in der Dorfwiesenstraße.

Kirchheimer Straße 1, Gasthaus Stern mit Gartenwirtschaft um 1910


1973 schloss die Wirtschaft endgültig, im Juli erwarb die Volksbank Kirchheim das Anwesen und veräußerte es 1979 an eine Baugesellschaft. Diese brach das Gebäude ab und errichtete 1981 ein Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen.

Kirchheimer Straße 1 im September 2017. Foto: Paul Schmid